Rolf Bouman: Autarkie auf der kanadischen Hirschfarm

Vor meiner Auswanderung Ende der 80er Jahre nach Nova Scotia hatte ich das Glück, in Deutschland noch zwei Lehren als Landwirt und Automechaniker absolvieren zu können. Mir war damals schon klar, dass für eine Autarkie in Kanada landwirtschaftliche und mechanische Kenntnisse von großer Wichtigkeit sein würden. Dieses hat sich sicherlich auch bis heute immer wieder bestätigt.

Angefangen hatte ich mit meiner kanadischen Hirschfarm auf Cape Breton im Jahre 1999. Ich hatte mich entschieden, Wald zu roden und zu Wiesen umzustrukturieren. Unsere Hirsche leben also nur von Heu und Gras. Selten fügen wir dem Futterprogramm Hafer oder Mais zu, meist nur dann, wenn gerade viele Jungtiere geboren wurden. Eine Zufütterung ist allerdings nicht zwingend notwendig.

Rolf Bouman: Autarkie auf der kanadischen Hirschfarm
Rolf Bouman: Autarkie auf der kanadischen Hirschfarm

Autarkie haben wir dadurch gewonnen, dass wir Heu und Gras für die Hirsche selbst produzieren und wir im Gegensatz zur Schweinehaltung, Milchviehwirtschaft und Geflügelhaltung kein Futter zukaufen müssen. Da wir auch noch Dieselvorräte und Saatgut langfristig eingelagert haben, sowie einige Landwirtschaftsmaschinen besitzen, wäre es machbar, für längere Zeit abgeschnitten von der Außenwelt zu leben. Dass wir eine eigene Frisch- und Abwasserversorgung, sowie eigenes Feuerholz haben, versteht sich von selbst. Eine Alternativstromversorgung planen wir momentan ebenfalls.

Rolf Bouman: Autarkie auf der kanadischen Hirschfarm
Rolf Bouman: Autarkie auf der kanadischen Hirschfarm

Auch haben wir noch einen großen See auf dem Grundstück mit einem Forellenfischbestand besetzt sowie viele Obstbäume gepflanzt. Es wird vielleicht viele Leser überraschen, dass in Nova Scotia Birnen, Äpfel, Kirschen, Pflaumen und auch gewisse Pfirsichsorten geerntet werden. Wer unser Klima kennt, weiß, dass im Sommer oft weit über 30 Grad hohe Temperaturen zu verzeichnen sind. Dieser angenehme Umstand steht in direkter Relation mit der Golfstromnähe Nova Scotias und der Tatsache, dass wir auf dem Breitengrad von Norditalien und Südfrankreich liegen. In der freien Natur wachsen in recht großen Mengen Blaubeeren, Himbeeren, Brombeeren und Pfifferlinge, wovon sich neben uns z.B. auch Hirsche, Kaninchen und Rebhühner ernähren. Wir sind gerade dabei, einen großen Gemüsegarten anzulegen und könnten somit recht unabhängig leben, falls dieses jemals notwendig werden sollte. Dann würden wir natürlich – wenn nötig – auch unsere eigenen Hirsche schlachten.

Rolf Bouman: Autarkie auf der kanadischen Hirschfarm
2018-02-28T19:53:19+00:00 28. Februar 2018|Blogs/News|